Uplifting Unlimited

Hallo Ihr Lieben,

nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in Südafrika (Bericht folgt innerhalb der nächsten 2 Wochen denke ich), bin ich gestern Nachmittag wieder in Lusaka gelandet.

Mein heutiger Blogeintrag fällt ein wenig aus der Reihe der bisherigen (wenn auch zugegebenermaßen nicht sehr vielen). Er befasst sich nur indirekt mit meinen Erfahrungen und Erlebnissen hier in Sambia. Vielmehr behandelt er etwas, dass man wohl als eine Herzensangelegenheit klassifizieren würde: Uplifting Unlimited.

Bei Uplifting Unlimited handelt es sich um eine NGO, die Dennis und ich quasi ausversehen zusammen mit unseren sambischen Freunden Ailedi und George gegründet haben und mit der wir vor in dem Bereich Waste Management aktiv sind. Dafür arbeiten wir, wann immer es unsere Zeit erlaubt, mit einigen Straßenkindern, die wir in unserer direkten Nachbarschaft kennengelernt haben, zusammen. Stolz blicken können wir auch bereits auf einige kleine Erfolge zurückblicken: Wir haben einen eigenen Shop auf einem der lokalen Märkte Lusakas, langsam werden wir bekannter, Leute fangen an sich für unsere Produkte zu interessieren und das bisher größte: unsere Jungs gehen wieder zurück zur Schule und haben somit nicht nur einen Schlafplatz und 3 Mahlzeiten am Tag, sondern vor allem auch den Zugang zu Bildung und somit die Chance auf ein besseres Leben.

Da wir bislang nicht nur viel Herzblut, Liebe und Zeit, sondern auch einiges an Geld in unsere kleine Organisation investieren mussten, haben wir uns überlegt eine Crowdfunding Initiative zu starten um so eventuell einen Teil der hohen Initialkosten decken zu können. Mittelfristig ist es unser erklärtes Ziel, dass sie die NGO selber tragen kann, jedoch ist dies in den Anfängen in der Regel nicht möglich. Beim Crowdfunding geht es nicht darum, dass wenige Leute unglaublich große Beträge spenden, sondern mehr darum, dass eine breite Masse an Menschen eine Kleinigkeit, die nicht weh tut, opfert. Auch wenn das eigentlich nicht meine Art ist, möchte ich Euch auf diesem Weg darum bitten darüber nachzudenken, ob Ihr nicht eine für bisschen was einen guten Zweck spenden möchtet. Die Crowdfunding Initiative ist bei dem renommierten Portal betterplace.org unter https://www.betterplace.org/de/projects/37896?utm_campaign=ShortURLs&utm_medium=project_37896&utm_source=PlainShortURL zu finden.

Außerdem wäre ich allen Leuten, die das lesen unglaublich verbunden, wenn sie ihren Freunden, Kollegen, Nachbarn etc. von uns erzählen, um so mehr Menschen auf uns aufmerksam zu machen. Dafür möchte ich auf unsere Facebook Seite verweisen, auf neue Nachrichten und auch Bilder über unsere Jungs und unsere Arbeit zu finden sind. Über ein Däumchen hoch unter https://www.facebook.com/upliftingunlimited/ würden wir uns daher mehr als freuen.

Wir haben einen kleinen Text verfasst, der als Auszug auch auf beterplace.org zu finden ist und den ich hier mit Euch teilen möchte, damit Ihr auch einen kleinen Einblick in unsere Arbeit und und die Hindernisse, denen wir uns dabei ausgegsetzt sehen sowie unsere Ziele und Visionen bekommt.


Muli Bwanji,
Uplifting Unlimited ist eine junge, aufstrebende Initiative, die in Lusaka, der Hauptstadt Sambias entstanden ist. Angefangen hat es mit der Idee, mit einfachen Hilfsmitteln, dafür mit umso mehr Liebe handgefertigte Produkte aus Materialien herzustellen, die auf den ersten Blick nutzlos erscheinen.

Uplifting Unlimited ist jedoch mehr als Upcycling. Unsere Produkte werden in Kooperation mit benachteiligten Jugendlichen, die größtenteils auf der Straße leben, hergestellt. Anstatt für ihre tägliche Mahlzeit zu betteln, können unsere Jungs so Verantwortung übernehmen und mit dieser Beschäftigung zumindest einen kleinen Lebensunterhalt verdienen.

Der Name Uplifting ist somit doppeldeutig. Er bezieht sich nicht nur auf das Upcycling von vermeintlichen Abfallprodukten, sondern auch auf das Leben der Teenager, deren Lebensgeschichten, wenn man ihnen zuhört, zu Tränen rühren, die aber dennoch von Träumen und Visionen und vor allem Potential zeugen. Es liegt uns daher sehr am Herzen, unsere Jungs auf ihrem Weg zurück ins Bildungssystem zu unterstützen, um dieses unlimitierte Potential entfalten zu können.

Wir wünschen uns in einer Welt zu leben, in der speziell die kleinen Dinge wieder wertgeschätzt und zweite Chancen vergeben werden – sei es bezüglich Materialien, die in Form eines neuen Produktes einen neuen Sinn erhalten oder in Hinblick auf die vielen Straßenkinder, deren Leben nicht nur theoretisch ebenso viel wert sein sollte, wie das eines jeden von uns.


Unser Team
Wir sind Laura Roig Senge (23 Jahre), Dennis Wolter (28 Jahre), Ailedi Zulu (26 Jahre) und George Mwalusaka (30 Jahre), die Gründer und Initiatoren von Uplifting Unlimited. Laura und Dennis leben seit vier Monaten bzw. anderthalb Jahren in Lusaka. Wir beide haben uns dazu entschlossen, unsere Leben in Deutschland zwischenzeitlich aufzugeben, Freunde und Familie zurückzulassen und stattdessen für BORDA e.V. (Bremen Overseas Research and Development Association) in Sambia zu arbeiten. Es handelt sich dabei um einen Bremer Forschungsverein, der auf diversen Interventionsebenen aktiv ist, um Nachbarschaften lebenswerter zu machen, soziale Strukturen zu stärken und innovative Ansätze vor Ort mit lokalen Partnern zu entwickeln und umzusetzen. Ailedi und George stammen aus Sambia und sind mit den lokalen Gegebenheiten bestens vertraut. Dem farbenfrohen und kulturell vielseitigen Sambia, aber eben auch mit den sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Unsere professionellen Hintergründe sind verschieden und ergänzen sich daher recht gut. Dennis bereichert unsere gemeinsame Arbeit als ausgebildeter Ingenieur mit seiner Liebe zum Detail. Er denkt Prozesse gerne bis zum Ende durch, wobei er zwar nicht immer den direktesten Weg nimmt, aber so oft auf neue und kreative Lösungen stößt.

Laura, die aktuell in den Bereichen Administration und Marketing tätig ist, zeichnet sich durch ihren Pragmatismus aus. Sie behält stets das große Ganze sowie übergeordnete Strukturen im Auge, um so effizient operieren zu können.

Ailedi arbeitet als Personalreferentin im Gesundheitsministerium in Chirundu, einer Kleinstadt eine gute Autostunde außerhalb Lusakas. In ihrer täglichen Arbeit ist sie in regelmäßigem Kontakt mit ländlichen Gemeinden, da die Kernaufgabe ihrer Bezirksstelle darin besteht, benachteiligten Menschen und Gemeinden den Zugang zu kostenfreier Gesundheitsvorsorge zu bieten. Ihr Beitrag zu unserer Arbeit sind ihre umfassenden Kontakte im Bereich der Gemeinschaftsförderung, der Gesundheitsvorsorge und Kontakte auf Ministeriumsebene.

George hat ein Studium auf dem Gebiet der nachhaltigen Entwicklung und Soziologie abgeschlossen und betätigt sich mehr und mehr auf dem Gebiet der Landwirtschaft. Durch sein Gespür für Nachhaltigkeit und seine Erfahrung als selbstständiger Kleinunternehmer kennt er den lokalen Markt und ist ein wichtiger Teil unseres Teams.

Gemeinsam sind wir ein eingeschworenes Team aus offenen Personen mit großen Herzen, die Freude daran haben, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und neue Erfahrungen zu machen. Dies hilft uns ungemein bei unseren Aktivitäten für Uplifting Unlimited.

Da keiner von uns dazu ausgebildet ist, mit benachteiligten Jugendlichen unter den gegebenen schwierigen Situationen zu arbeiten, kooperieren wir mit ausgebildeten Pädagogen und weiteren Experten auf diesem Feld. Wir haben für unsere Initiative bereits jetzt viel Lob, Anerkennung und Unterstützung erhalten.



Unsere Jungs heißen Amon, Benjamin, Caristo und Solomon und sind zwischen 15 und 20 Jahre alt. Sie leben zum Teil bei ihren Eltern in benachbarten Compounds, zum Teil seit ein bis zwei Jahren und zum Teil fast ihr ganzes Leben auf der Straße. Größtenteils haben sie die Schule in der 7. Klasse abbrechen müssen, wünschen sich aber ihren Schulabschluss nachholen zu können. Dies möchten wir ihnen zum einen durch den Verkauf der von ihnen gefertigten Produkte und zum anderen durch weitere Produkte, die unter dem Label Uplifting Unlimited entstehen sollen, finanzieren. Allerdings stellt uns das – vor allem am Anfang – vor einige Herausforderungen, sodass wir Euch um Eure Unterstützung bitten.

Wir betrachten die Möglichkeit unsere Jungs zur Schule zu schicken, als die Basis ihre Leben zu upliften. Allerdings sehen wir auch die sozialen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten, denen sie in einem Land wie Sambia ausgesetzt sind. Ein Schulabschluss allein, ohne individuelle Fertigkeiten und Kenntnisse, bietet in einem Umfeld mit hoher Arbeitslosigkeit und nicht etabliertem Sozialsystem kaum Perspektiven und Aussicht auf Verdienstmöglichkeit. Daher möchten wir Amon, Solomon, Caristo und Benjamin beim Verfolgen ihrer persönlichen Talente und Interessen unterstützen und ihnen zukünftig je nach Fertigkeiten und Neigungen die Möglichkeit bieten, an handwerklichen oder kreativen Kursen teilzunehmen, einen Führerschein zu machen oder auch andere Sprachen zu lernen.


Unser Shop
Als ersten wichtigen Schritt haben wir einen kleinen Laden im Northmead Market gemietet, in dem unsere Jungs arbeiten, kochen und essen können und in dem wir unsere Produkte ausstellen und verkaufen wollen. Aktuell renovieren wir fleißig. Zum einen, um gerade in den heißen Monaten für eine bessere Belüftung und ein besseres Arbeitsklima zu sorgen (aktuell sind gut und gerne 45°C in dem Shop), aber auch um auf unser Projekt, unsere Arbeit und unsere Produkte aufmerksam zu machen. Da der Laden mit nicht einmal 10m² Fläche nicht gerade groß geraten ist, sind wir auf einigen Stauraum - sprich Regale und Schränke - angewiesen.

Bislang wurden die Wände verputzt, gestrichen und mit unserem Logo versehen. Als nächstes sollen die Decke unter dem Wellblechdach abgehängt und gedämmt sowie einfache Belüftungsrohre und Lampen aus upgecycleten PET Flaschen installiert werden. Bei diesem Beleuchtungssystem wird das Sonnenlicht in mit Wasser gefüllten PET Flaschen gebündelt.

In naher Zukunft wollen wir in dem Laden ein kleines Restaurant eröffnen, in dem wechselnde tansanische Gerichte von Chapati über Pilau Rice hin zu Pili Pili Chicken, genauso wie frisch gepresste Säfte (wir starten mit Zuckerrohrsaft) angeboten werden sollen. Durch die hierdurch generierten Einnahmen sollen die Miete und weitere Unkosten anteilig finanziert , durch die wechselnden Gerichte das Essensangebot und die -vielfalt auf dem Markt erweitert werden und schließlich können Gerichte, die nicht verkauft werden, dazu genutzt werden, weiteren Straßenkindern die Möglichkeit auf eine warme Mahlzeit zu bieten.


Unsere Produkte
Aktuell bieten wir aus Bier- und Ciderflaschen hergestellte Wasser- und Weingläser in verschiedenen Farben an. Zurzeit werden diese größtenteils an Privatkunden (Freunde und Freundesfreunde) verkauft, da sambischen Bar-, Club- und Restaurantbetreibern das Risiko zu groß ist, dass die Gläser gestohlen werden. Gerne würden wir aber auch Jugend- und Kulturzentren oder Bars in Europa mit den Gläsern ausstatten.

Des Weiteren überlegen wir aus den Gläsern kleine Solarlampen und Kerzen herzustellen, die in Sambia aufgrund der anhaltenden Energiekrise zur Beleuchtung in dunklen Stunden dienen können und in Ländern wie Deutschland als Balkon- oder Campinglampen nutzbar sind.

Darüber hinaus haben wir damit begonnen, T-Shirts in Zusammenarbeit mit lokalen Schneidern zu designen und zu produzieren, die afrikanische Stoff- und Schnittmuster mit westlichen T-Shirt-Schnitten vereint. Die T-Shirts sind bereits jetzt auf beiden Seiten des Mittelmeers auf viel positives Feedback gestoßen, sodass unsere erste Auflage bereits nach kurzer Zeit ausverkauft war. Aktuell suchen wir für die weitere T-Shirt-Produktion Händler von organisch produzierten und fair gehandelten Stoffen, die leider in Sambia nicht erhältlich sind.

Außerdem feilen wir weiterhin intensiv an verschiedenen anderen Ideen, um Euch zeitnah weitere Produkte vorstellen zu können. Dabei liegt der Fokus stets auf lokaler Wertschöpfung, um einen kleinen Beitrag zur Unterstützung der hiesigen Wirtschaft, die von Rohmaterialexport und Fertigproduktimport geprägt ist, leisten zu können.
Alle Produkte können per Nachricht auf unserer Facebookseite bestellt werden: www.facebook.com/upliftingunlimited


Unsere Partner
Die Nsansa Village Community Development Mission befindet sich im Nordosten Lusakas ca. 30 km außerhalb der Stadt. Der Gründer und Schirmherr Jasper betreibt dort eine kleine Internatsschule (boarding school) im Grünen, in der ca. 100 Schüler zu finden sind. Da sich die Schule weit weg von den Versuchungen, die die Stadt zu bieten hat, befindet, fällt es unseren Jungs hoffentlich leichter sich wieder an einen geregelten Tagesablauf mit Unterrichtseinheiten und anderen außerschulischen Aktivitäten zu gewöhnen. Da Jasper die gleiche Leidenschaft teilt wie wir und sehr erfahren in der Arbeit mit Straßenkindern ist, haben wir uns entschlossen, auch unsere Jungs in die Obhut seiner Schule zu geben. Darüber hinaus werden unsere beiden Organisationen in Zukunft auch auf anderen Ebenen eng zusammenarbeiten: hinsichtlich handwerklicher und kreativer Workshops und Aktivitäten schweben schon jetzt viele Ideen für mögliche Kooperationen im Raum.
Weitere Informationen zur Nsansa Village Community Development Mission findest du hier: https://www.facebook.com/nsansavillage und http://www.nsansavillage.com/

Fountain of Hope ist eine Organisation, die im Stadtteil Kamwala angesiedelt ist und Versorgungs-, Vorsorge- und Übernachtungsmöglichkeiten für benachteiligte Jugendliche anbietet. Die Organisation hat gute Kontakte zu staatlichen Schulen und Gesundheitsprogrammen. Wir sind dankbar dafür, dass Fountain of Hope unseren Jungs kurzfristig und unbürokratisch Übernachtungsmöglichkeiten während der Regenzeit geboten hat, bis diese in ihre neue Schule umgezogen sind.
Weitere Informationen zu Fountain of Hope hier: https://www.facebook.com/foha.zambia und http://www.fountainofhope.org.uk/

Barefeet Theater ist eine junge, hippe Organisation, die 2006 von einem Zusammenschluss von Straßenkindern gegründet wurde, als Reaktion auf ihre eigene Notlage. Theater, Kreativität und Empowerment werden genutzt, um benachteiligten Kindern eine Chance auf ein besseres Leben zu ermöglichen. Durch die Kraft von Schauspiel, Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung werden benachteiligte junge Menschen in ihrer Entwicklung zu gesunden, kognitiv und sozial kompetenten Menschen gefördert. Barefeet verfügt über einen hohen Bekanntheitsgrad und ein großes Netzwerk an Unterstützern und Sympathisanten durch die regelmäßige Präsenz auf kulturellen Veranstaltungen. Weiter Infos hier: www.barefeettheatre.org und https://www.facebook.com/barefeet.lusaka

Darüber hinaus bekräftigen und unterstützen uns viele Freunde und Kollegen von überall auf der Welt. Ohne diese Unterstützung wären wir nicht da wo wir sind. Wir sind unseren Freunden, Partnern, Helfern und Unterstützern zu tiefstem Dank verpflichtet!


Unsere Bedarfe
Uplifting Unlimited soll sich nachhaltig erhalten und finanzieren können, aber speziell in der Anfangsphase, die von hohen Einmalinvestitionen geprägt ist, sind wir auf Leute wie Dich zur Unterstützung unserer Organisation angewiesen.

Aktuell benötigen wir dringend Grundausstattung in diversen Bereichen:
• Medizinische Versorgung, Kleidung, Hygieneartikel, Schulmaterialien usw. für unsere Jungs
• Grundausstattung (Regale, Schränke, Töpfe, kleines Solarpanel) und Renovierungsmaterialien (Verputzen, Streichen, Dämmung, Belüftung) für unseren Shop
• Arbeitsmaterialien und Werkzeuge für aktuelle und neue Produkte


Unser Versprechen
Wir verstehen uns nicht als Marke oder Firma, sondern vielmehr als facettenreiche Initiative und hoffentlich bald eine Bewegung mit unbegrenztem Potential – Empowerment und Education, Arts und Ambition, Upcycling und Uplifting, Reusing und Recycling – und das ganze unlimited!

Wir versprechen, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um unsere Jungs, die lokale Wirtschaft und die Vielfalt zu unterstützen. Es ist uns dabei überaus wichtig, dass Uplifting Unlimited nicht zu sehr an einzelne Individuen gebunden wird. Die Organisation soll weiter bestehen und wachsen und zukünftig noch mehr Jugendliche bei ihrem Weg von der Straße zurück in die Gesellschaft unterstützen.

Also nehmt uns an die Hand und geht mit uns zusammen ein paar Schritte in die richtige Richtung – einer gerechten, ressourcenschonenden und verantwortungsbewussten Welt!

18.2.16 16:20, kommentieren

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Unerwartete Paradiese

Nach langer Pause nun endlich mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Leider scheint es aktuell nicht möglich zu sein Bilder (und vermutlich sogar ohne Absätze) hochzuladen, sodass auch der folgende Text ohne Bilder auskommen muss.


Lusaka, die Stadt in der ich nun lebe, die Hauptstadt Sambias, ist (und das kann man leider mit absoluter Gewissheit sagen) keine schöne Stadt. Ich würde sogar dahin gehen, dass sie wenig lebenswert ist. Zum einen spielt da die bereits beschriebene etwas gewöhnungsbedürftige Situation auf den Straßen eine große Rolle und zum anderen die Tatsache, dass selbst wenn es irgendwo schön wäre, das niemand mitbekommen würde. Absolut alles ist hier hinter meterhohen Mauern versteckt, die unbarmherzig jeden Blick auf das, was sie umgeben, abfangen. Dies hat zur Folge, dass man, wenn man nicht zufällig weiß, dass sich hinter einer der Mauern ein sehenswerter Ort verbirgt, man ihn ganz sicher niemals finden wird.


Die einzige Möglichkeit durch eine der Mauern zu gelangen stellt in der Regel ein massives Stahltor dar, das, wie sollte es auch anders sein, ebenfalls keine neugierigen Blicke auf das ominöse Dahinter zulässt. Das Tor öffnet sich, simsalabim, auf magische Weise, wenn man mit seinem Auto davor steht und lange genug hupt. Der Securtity Guard, der hinter dem Tor den kompletten Tag auf nichts anderes wartet, als das Tor zu öffnen, wird dies allerdings nicht sofort tun. Zunächst wird er durch einen kleinen Spalt nur seinen Kopf herausstrecken und ob er einen kennt oder nicht Erläuterungen erwarten, was man auf der anderen Seite des Tores will und warum. Erst wenn die Antwort gut genug ist, wird einem endlich Einlass gewährt. Das Ganze hat allerdings den Vorteil, dass so selbst ein Besuch bei Freunden zum Erfolgserlebnis wird, wenn man es schafft am Guard vorbeizukommen. Natürlich wäre es im Zweifel möglich über die Mauern zu klettern, aber davon möchte ich an dieser Stelle jedem, der einmal in Lusaka sein sollte, in aller Deutlichkeit abraten. Ich möchte nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass man dann nicht, ohne eine Erklärung abgeben zu können, sich noch auf der Mauer befindend erschossen wird.


Zu all‘ dem kommt die früh einsetzende Dunkelheit, die zumindest bei mir ab und an das Gefühl verursacht hier in einem Käfig eingesperrt zu leben. In der Dunkelheit draußen (im Zweifel heißt das 18 Uhr auf dem Weg nach Hause) kann man zwar nach wie vor noch die sprichwörtliche Hand vor Augen sehen, aber bis zu den Füßen reicht es oft schon nicht mehr. Dabei wäre es mehr als praktisch, ausmachen zu können, auf oder in was oder wen man zu treten droht.


Trotzdem sich meine Ausführungen evtl. nicht so anhören, fühle ich mich hier unglaublich wohl und jetzt schon zu Hause. Ich bin mir ganz sicher, dass es die richtige Entscheidung war mein Leben einmal komplett umzukrempeln und nach Sambia zu ziehen. Dass ich mich hier so wohl fühle hängt zum einen und sicherlich primär mit den Menschen zusammen, die ich hier bereits kennenlernen durfte. Zum anderen gibt es erfreulicherweise im näheren Umfeld von Lusaka einige wundervolle Orte, die in den letzten paar Jahren errichtet wurden, weil irgendjemandem aufgefallen zu sein scheint, dass man in Lusaka nicht viel mehr tun kann, als in eine der wie Pilze aus dem Boden schießenden, in der Anzahl vollkommen unnötigen, Malls zu gehen. Drei dieser Fleckchen möchte ich Euch gerne vorstellen:


Monkey Pools ist der erste dieser wundervollen Orte, den ich kennenlernen durfte. Bereits am ersten Wochenende nach meiner Ankunft hat mich eine meiner Kolleginnen eingeladen sie, ihren Mann und ihre beiden kleinen Kinder dorthin zu einem Barbecue mit Freunden zu begleiten. Dort angekommen, war ich schon auf den ersten Blick überwältigt von der Schönheit, die der Ort zu bieten hat: eine wunderschöne große grüne Parkanlage mit schattenspendenden Bäumen. So normal und gewöhnlich das auch für deutsche Verhältnisse klingen mag, so besonders ist es, sowas im Herzen des afrikanischen Kontinents zu finden. Als wäre das nicht bezaubernd genug, bietet Monkey Pools wunderschöne Naturquellen, die tief genug sind um nach Herzenslust in sie hineinzuspringen. An den Rändern der Quellen kann man, wenn man Glück hat, sogar den einen oder anderen Affen beobachten. Meine Kollegin sagte ihren Kindern, dass dieser Ort Fairy Land sei und tatsächlich habe ich noch nie einen verwunscheneren Ort als die Quellen in Monkey Pools gesehen. Ich bin mir ganz sicher, sollte es Feen geben, dann an diesem himmlischen Fleckchen Erde.


Das Wochenende darauf bin ich mit meinem Kollegen, Mitbewohner und neuem großen Bruder Dennis, und zwei weiteren Freunden zu einem anderen Ort gefahren, der mit seiner Schönheit besticht und so zum Verweilen einlädt: Tiffany’s Canyon. Wem die sambische Hitze nicht genügt um das Verlangen zu spüren ins kühle Nass zu springen, wird sicher spätestens nach dem Anblick des Canyons durch dessen atemberaubend blaues Wasser einem inneren Drang folgend sich seiner Kleidung entledigen und direkt in selbiges eintauchen. Da ein Großteil der sambischen Bevölkerung nicht schwimmen kann, (weswegen Schwimmwesten an Orten wie diesen der wohl am meisten nachgefragte Artikel ist,) ist man, wenn man ein wenig raus schwimmt, schon nach sehr kurzer Zeit so gut wie alleine in dem wundervoll erfrischenden Wasser und kann sich ebenso wie seine Gedanken bei einem Blick auf die aus dem Wasser ragenden Felswände treiben lassen. Da ich vor allem bei der hier herrschenden Hitze die Möglichkeit wann immer ich will zu einem See fahren zu können sehr vermisse, hoffe ich, dass ich sehr bald noch einmal die Gelegenheit haben werde nach Tiffany’s Canyon zu fahren.


Ein anders Mal sind wir als eine etwas größere Gruppe nach Chaminuka gefahren - ein Fleckchen Erde in der Nähe von Lusaka, der durch seine Vielfältigkeit besticht. In Chaminuka kann man es sich auf der Lodge gemütlich machen und es sich am dortigen Pool bei Cocktails gutgehen lassen, mit Leoparden an der Leine spazieren gehen (was ich persönlich äußerst befremdlich finde), eine kleine Safari Tour machen, eine Käsefabrik besuchen und vieles mehr. Wir haben uns dazu entschieden zunächst in einer der zwei landesweit existierenden Käsefabriken vorbeizuschauen um dort in einer extra für solche Anlässe errichteten gemütlichen Höhle, die mich in ihrem Einrichtungsstil etwas an Vampirkluften erinnert hat, an einer Käse- und Weinverkostung teilzunehmen. Da Sambia kein Käse-Land ist, können die verschiedenen Sorten sicher nicht mit z.B. traditionell gefertigten französischen Käsesorten oder ähnlichem mithalten. Nichtsdestotrotz war der Käse gut und es erübrigt sich vermutlich fast schon zu sagen, dass wir die Chance genutzt haben, um uns für die nächsten Wochen mit Käse auszustatten. Leider war es nicht möglich einen Blick in die Käseproduktion zu werfen, was sicherlich sehr interessant gewesen wäre, allerdings hätten wir dafür auch schwerlich Zeit gefunden hätten, da wir im Anschluss an die Käseverkostung eine kleine Safari gebucht hatten, bei der wir von Zebra über Straß bis hin zum Elefanten alle möglichen Tiere in ihrem natürlichem Umfeld beobachten konnten. Viele Sambier sind überrascht, wenn sie im Gespräch erfahren, dass ich in meinem Leben noch keinen Löwen, kein Krokodil und kein Nilpferd in freier Wildbahn gesehen habe und auch weder an Schlagen noch an Kakerlaken, die nach Herzenslust in der Wohnung auftauchen können, gewöhnt bin. Die etwas witzige obligatorische Frage, die auf solch ein Gespräch folgt, ist in der Regel, ob wir überhaupt Tiere in Deutschland haben und im Anschluss daran, warum es bei uns eigentlich keine gefährlichen Tiere gibt. Wem auch immer dazu eine gute Antwort einfällt, sei an dieser Stelle herzlich dazu eingeladen diese an mich weiterzuleiten und mir dabei zu verraten, welches das gefährlichste in Deutschland beheimatete Tier ist. Meine bisherige Antwort („hmm… vielleicht ein Wildschwein“) führte hier eher zu großen Irritationen, weil die sambischen Wildschweine, wenn sich Menschen nähern, eher reisaus nehmen zu scheinen.

2 Kommentare 16.12.15 14:58, kommentieren


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