***Update***

Aufgrund kleinerer technischer Problemchen ist es mir gerade nicht möglich meinen fertigen Text hochzuladen. Sobald die Probleme gelöst sind, folgt der Artikel.

2.12.15 18:36, kommentieren

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Die tägliche Apokalypse oder auch Straßenverkehr genannt

Um einen kleinen Einblick, in mein aktuellen Alltag zu geben, habe ich mir für den Anfang ein Thema ausgesucht, das hier jeden betrifft und über das quasi permanent gesprochen wird: der Straßenverkehr.
Bewegt man sich durch Lusaka, so bemerkt man schnell, dass diese Stadt für keine andere Fortbewegungsart als in einem Metallkasten auf vier Rädern konstruiert (oftmals verdienen die Gefährte den Titel Auto nämlich nicht) wurde, sodass das Finden eines Fußweges einem kleinen Wunder gleichkommt. Alleine über die Existenz von Radwegen nachzudenken kommt damit der Frage nach einer Wanderroute auf dem Mond gleich – theoretisch sicherlich möglich, aber zum aktuellen Zeitpunkt schlichtweg abstrus.


Straßenverkehrsregeln existieren quasi nicht – tatsächlich ist die offizielle Regel an Kreuzungen first comes, first serves, was heißt, wer zuerst da war, darf zuerst fahren. Eine Regel die meiner Meinung nach nochmal intensiv überdacht werden sollte. Da niemand willig ist, jemand anderem (ob zu Recht oder nicht) Vorfahrt zu gewähren, gilt auf den Straßen Lusakas, der der fährt und bei einem entgegenkommenden Auto nicht bremst, darf fahren. Wer bremst hat verloren und bleibt vermutlich für immer an der Stelle stehen, an der er gehalten hat, da niemand ihm mehr die Chance geben wird sich in den Verkehr einzufädeln.


Es scheint so, als würde es hier mehr Autos geben als Menschen und tatsächlich legt sich jeder Einwohner Lusakas, der es sich irgendwie leisten kann, ein Auto zu. Zum einen liegt das sicherlich daran, dass das Auto an sich ein Statussymbol ist – vor allem in einem Entwicklungsland, in dem der in der westlichen Welt weit verbreitete grüne Gedanke oft nicht mal ansatzweise von der Bevölkerung verstanden wird (fairerweise muss man sagen, die Leute haben auch ganz andere Probleme). Zum anderen aber auch daran, dass ein Auto oft die einzige Möglichkeit darstellt sich durch die Stadt zu bewegen. Alternativ kann man zwar in ein Taxi steigen (diese erkennt man in aller Regel daran, dass sie die am schlechtesten im Schuss gehaltenen Fahrzeige überhaut, mit riesigem Sprung in der Frontscheibe, komplett ohne Spiegel oder Blinker etc., sind), allerdings muss man sich das auch erstmal leisten können. Natürlich sind die Taxipreise hier absolut gesehen um ein Vielfaches günstiger als in Europa, jedoch relativ zu dem Einkommen der Bevölkerung betrachtet, stellen Taxis keine echte alternative Fortbewegungsvariante dar. Schließlich gibt es noch Busse. Witzige VW-Bully-artige Gefährte, in die „problemlos“ um die 18 Personen (oft auch mehr) passen. Angeblich folgen sie einer Art von Liniennetz, das allerdings niemand so gut kennt, dass er es erklären könnte. Ich habe gehört, dass Leuten geraten wurde, sich in einen der Busse zu setzen, wenn sie auf der Suche nach einer „Local Experiance“ sind. Mehr „local“ geht wohl nicht. Einstellungskriterium für Busfahrer scheint zu sein, dass man zu den schlechtesten und rücksichtslosesten Fahrern der gesamten Nation zählt und lieber auf das Gaspedal als auf die Bremse tritt. Folgerichtig können auf der Heckscheibe vieler Busse Sprüche wie „In god we trust“ gelesen werden, wobei ich persönlich mir jedes Mal denke, dass ich während einer Fahrt in solch einem Klapperbus deutlich lieber in die Fahrkünste des Fahrers als in Gott vertrauen würde.


Das Verkehrsmittel meiner Wahl ist das Rad. Bereits in der ersten Woche habe ich mir hier ein viel zu schweres und unpraktisches Rad angeschafft, mit dem ich mich todesmutig durch die Stadt wage – wie erwähnt Fuß- oder Radwege sind nicht existent. Sich auf einem Fahrrad durch die Stadt bewegen ist daher glaube ich nicht deutlich sicherer als in einem Fluss voller ausgehungerter Krokodile zu schwimmen – es kann gut gehen, die Wahrscheinlichkeit ist aber relativ gering. Schon mehrfach ist mir während der Fahrt das Bild einer auf dem Boden aufschlagenden Wassermelone durch den Kopf geschossen, das im Rahmen der kindlichen Verkehrssicherheit gerne genutzt wird, um Kinder dazu zu bringen Helme zu tragen. Eine australische Bekannte, die schon eine Weile in Lusaka lebt, meinte zu dem Thema Straßenverkehr, dass 90 % der Fahrer hier in der Stadt eigentlich ganz gute Fahrer wären, die restlichen 10 % allerdings die schlechtesten Autofahrer der Welt. Meinen eignen Erfahrungen nach und auch derer aller anderen Personen, die ich zu diesem Thema befragt habe (sowohl Internationals als auch Locals), müssten die Prozentzahlen jedoch umgedreht werden: 10 % der Autofahrer hier können eigentlich ganz gut fahren und die übrigen 90 % sind die schlechtesten Autofahrer der Welt. Dazu kommt (vor allem Freitagabend), dass kaum ein Autofahrer sieht, warum er nach 5 Bier, 3 Gin Tonic und diversen anderen Getränken nicht mehr am Steuer eines Autos sitzen sollte. Witziger Weise fühle ich mich in solchen Situationen sicherer, wenn ich auf der rechten Seite der Straße (ja, hier herrscht Linksverkehr) als Geisterfahrer gegen den Verkehr fahre. So sehe ich wenigstens, wer versucht mich umzubringen. Bezeichnend fand ich, dass ich mich erst durch jeden Laden der Stadt fragen musste, um schließlich ein Geschäft zu finden, dass Fahrradlichter zum Verkauf anbietet. Ich wollte gerne ein Front- und ein Rücklicht haben, woraufhin mir erklärt wurde, dass so etwas wie ein Rücklicht für Fahrräder nicht existiert. Da ich keine Lust hatte diese Diskussion zu führen, habe ich die Aussage im Raum stehen lassen und wollte stattdessen zwei Frontlichter kaufen – Licht ist schließlich Licht. Die Verkäufer schienen allerdings zu ahnen, dass ich das zweite Frontlicht als Rücklicht missbrauchen wollte, woraufhin sie sich erstmal, darauf verharrend, dass man hinten am Rad kein Licht braucht, weigerten mir zwei Lichter zu verkaufen. Es hat mich eine halbe Stunde, viele Nerven und einen unterdrückten Wutanfall gekostet die Mitarbeiter des Ladens davon zu überzeugen mir zwei Lichter zu verkaufen.


Allen, die sich jetzt Sorgen um mich machen sei gesagt, dass es in Lusaka noch ein paar wenige andere Muzungus (Weiße) gibt, die sich radelnd durch Lusaka bewegen und immer noch lebendig sind.

16.11.15 17:36, kommentieren


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