Unerwartete Paradiese

Nach langer Pause nun endlich mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Leider scheint es aktuell nicht möglich zu sein Bilder (und vermutlich sogar ohne Absätze) hochzuladen, sodass auch der folgende Text ohne Bilder auskommen muss.


Lusaka, die Stadt in der ich nun lebe, die Hauptstadt Sambias, ist (und das kann man leider mit absoluter Gewissheit sagen) keine schöne Stadt. Ich würde sogar dahin gehen, dass sie wenig lebenswert ist. Zum einen spielt da die bereits beschriebene etwas gewöhnungsbedürftige Situation auf den Straßen eine große Rolle und zum anderen die Tatsache, dass selbst wenn es irgendwo schön wäre, das niemand mitbekommen würde. Absolut alles ist hier hinter meterhohen Mauern versteckt, die unbarmherzig jeden Blick auf das, was sie umgeben, abfangen. Dies hat zur Folge, dass man, wenn man nicht zufällig weiß, dass sich hinter einer der Mauern ein sehenswerter Ort verbirgt, man ihn ganz sicher niemals finden wird.


Die einzige Möglichkeit durch eine der Mauern zu gelangen stellt in der Regel ein massives Stahltor dar, das, wie sollte es auch anders sein, ebenfalls keine neugierigen Blicke auf das ominöse Dahinter zulässt. Das Tor öffnet sich, simsalabim, auf magische Weise, wenn man mit seinem Auto davor steht und lange genug hupt. Der Securtity Guard, der hinter dem Tor den kompletten Tag auf nichts anderes wartet, als das Tor zu öffnen, wird dies allerdings nicht sofort tun. Zunächst wird er durch einen kleinen Spalt nur seinen Kopf herausstrecken und ob er einen kennt oder nicht Erläuterungen erwarten, was man auf der anderen Seite des Tores will und warum. Erst wenn die Antwort gut genug ist, wird einem endlich Einlass gewährt. Das Ganze hat allerdings den Vorteil, dass so selbst ein Besuch bei Freunden zum Erfolgserlebnis wird, wenn man es schafft am Guard vorbeizukommen. Natürlich wäre es im Zweifel möglich über die Mauern zu klettern, aber davon möchte ich an dieser Stelle jedem, der einmal in Lusaka sein sollte, in aller Deutlichkeit abraten. Ich möchte nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass man dann nicht, ohne eine Erklärung abgeben zu können, sich noch auf der Mauer befindend erschossen wird.


Zu all‘ dem kommt die früh einsetzende Dunkelheit, die zumindest bei mir ab und an das Gefühl verursacht hier in einem Käfig eingesperrt zu leben. In der Dunkelheit draußen (im Zweifel heißt das 18 Uhr auf dem Weg nach Hause) kann man zwar nach wie vor noch die sprichwörtliche Hand vor Augen sehen, aber bis zu den Füßen reicht es oft schon nicht mehr. Dabei wäre es mehr als praktisch, ausmachen zu können, auf oder in was oder wen man zu treten droht.


Trotzdem sich meine Ausführungen evtl. nicht so anhören, fühle ich mich hier unglaublich wohl und jetzt schon zu Hause. Ich bin mir ganz sicher, dass es die richtige Entscheidung war mein Leben einmal komplett umzukrempeln und nach Sambia zu ziehen. Dass ich mich hier so wohl fühle hängt zum einen und sicherlich primär mit den Menschen zusammen, die ich hier bereits kennenlernen durfte. Zum anderen gibt es erfreulicherweise im näheren Umfeld von Lusaka einige wundervolle Orte, die in den letzten paar Jahren errichtet wurden, weil irgendjemandem aufgefallen zu sein scheint, dass man in Lusaka nicht viel mehr tun kann, als in eine der wie Pilze aus dem Boden schießenden, in der Anzahl vollkommen unnötigen, Malls zu gehen. Drei dieser Fleckchen möchte ich Euch gerne vorstellen:


Monkey Pools ist der erste dieser wundervollen Orte, den ich kennenlernen durfte. Bereits am ersten Wochenende nach meiner Ankunft hat mich eine meiner Kolleginnen eingeladen sie, ihren Mann und ihre beiden kleinen Kinder dorthin zu einem Barbecue mit Freunden zu begleiten. Dort angekommen, war ich schon auf den ersten Blick überwältigt von der Schönheit, die der Ort zu bieten hat: eine wunderschöne große grüne Parkanlage mit schattenspendenden Bäumen. So normal und gewöhnlich das auch für deutsche Verhältnisse klingen mag, so besonders ist es, sowas im Herzen des afrikanischen Kontinents zu finden. Als wäre das nicht bezaubernd genug, bietet Monkey Pools wunderschöne Naturquellen, die tief genug sind um nach Herzenslust in sie hineinzuspringen. An den Rändern der Quellen kann man, wenn man Glück hat, sogar den einen oder anderen Affen beobachten. Meine Kollegin sagte ihren Kindern, dass dieser Ort Fairy Land sei und tatsächlich habe ich noch nie einen verwunscheneren Ort als die Quellen in Monkey Pools gesehen. Ich bin mir ganz sicher, sollte es Feen geben, dann an diesem himmlischen Fleckchen Erde.


Das Wochenende darauf bin ich mit meinem Kollegen, Mitbewohner und neuem großen Bruder Dennis, und zwei weiteren Freunden zu einem anderen Ort gefahren, der mit seiner Schönheit besticht und so zum Verweilen einlädt: Tiffany’s Canyon. Wem die sambische Hitze nicht genügt um das Verlangen zu spüren ins kühle Nass zu springen, wird sicher spätestens nach dem Anblick des Canyons durch dessen atemberaubend blaues Wasser einem inneren Drang folgend sich seiner Kleidung entledigen und direkt in selbiges eintauchen. Da ein Großteil der sambischen Bevölkerung nicht schwimmen kann, (weswegen Schwimmwesten an Orten wie diesen der wohl am meisten nachgefragte Artikel ist,) ist man, wenn man ein wenig raus schwimmt, schon nach sehr kurzer Zeit so gut wie alleine in dem wundervoll erfrischenden Wasser und kann sich ebenso wie seine Gedanken bei einem Blick auf die aus dem Wasser ragenden Felswände treiben lassen. Da ich vor allem bei der hier herrschenden Hitze die Möglichkeit wann immer ich will zu einem See fahren zu können sehr vermisse, hoffe ich, dass ich sehr bald noch einmal die Gelegenheit haben werde nach Tiffany’s Canyon zu fahren.


Ein anders Mal sind wir als eine etwas größere Gruppe nach Chaminuka gefahren - ein Fleckchen Erde in der Nähe von Lusaka, der durch seine Vielfältigkeit besticht. In Chaminuka kann man es sich auf der Lodge gemütlich machen und es sich am dortigen Pool bei Cocktails gutgehen lassen, mit Leoparden an der Leine spazieren gehen (was ich persönlich äußerst befremdlich finde), eine kleine Safari Tour machen, eine Käsefabrik besuchen und vieles mehr. Wir haben uns dazu entschieden zunächst in einer der zwei landesweit existierenden Käsefabriken vorbeizuschauen um dort in einer extra für solche Anlässe errichteten gemütlichen Höhle, die mich in ihrem Einrichtungsstil etwas an Vampirkluften erinnert hat, an einer Käse- und Weinverkostung teilzunehmen. Da Sambia kein Käse-Land ist, können die verschiedenen Sorten sicher nicht mit z.B. traditionell gefertigten französischen Käsesorten oder ähnlichem mithalten. Nichtsdestotrotz war der Käse gut und es erübrigt sich vermutlich fast schon zu sagen, dass wir die Chance genutzt haben, um uns für die nächsten Wochen mit Käse auszustatten. Leider war es nicht möglich einen Blick in die Käseproduktion zu werfen, was sicherlich sehr interessant gewesen wäre, allerdings hätten wir dafür auch schwerlich Zeit gefunden hätten, da wir im Anschluss an die Käseverkostung eine kleine Safari gebucht hatten, bei der wir von Zebra über Straß bis hin zum Elefanten alle möglichen Tiere in ihrem natürlichem Umfeld beobachten konnten. Viele Sambier sind überrascht, wenn sie im Gespräch erfahren, dass ich in meinem Leben noch keinen Löwen, kein Krokodil und kein Nilpferd in freier Wildbahn gesehen habe und auch weder an Schlagen noch an Kakerlaken, die nach Herzenslust in der Wohnung auftauchen können, gewöhnt bin. Die etwas witzige obligatorische Frage, die auf solch ein Gespräch folgt, ist in der Regel, ob wir überhaupt Tiere in Deutschland haben und im Anschluss daran, warum es bei uns eigentlich keine gefährlichen Tiere gibt. Wem auch immer dazu eine gute Antwort einfällt, sei an dieser Stelle herzlich dazu eingeladen diese an mich weiterzuleiten und mir dabei zu verraten, welches das gefährlichste in Deutschland beheimatete Tier ist. Meine bisherige Antwort („hmm… vielleicht ein Wildschwein“) führte hier eher zu großen Irritationen, weil die sambischen Wildschweine, wenn sich Menschen nähern, eher reisaus nehmen zu scheinen.

16.12.15 14:58

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lina / Website (16.12.15 16:25)
Ich glaube nicht, jemals einen so gut Formulierten Reisebericht (?) gelesen zu haben. Ich habe versucht, mir das alles bildlich vorzustellen, hier auf der Couch in Deutschland. Wobei heute Abend sogar unser Weihnachtskonzert an der Schule ist, an dem auch ich im Orchester beisteuern werde. Ich muss sagen, ich bin etwas verliebt in einen Ort, den ich nie gesehen und aus Kostengründen vermutlich erst wenn ich selber Geld verdiene, also vielleicht in 10/15 Jahren, sehen könnte. Ich hoffe, du hast dort eine Menge Spaß und kommst mit den Mauern klar, ich könnte das ja nicht, so ohne laufen wenn man Bock drauf hat, einfach mal zu Freunden gehen, das gehört für mich einfach dazu.
Liebe Grüße hier aus Norddeutschland bei 8°C , Lina


Conny (23.1.16 14:44)
Liebe Laura, Weihnachten habe ich an Dich gedacht und mich gefragt, wie Du Dich wohl fühlen magst in dieser tropischen Umgebung und ohne die typischen weihnachtlichen Rituale (ich habe mit meinem jetzigen Deutschkurs Plätzchen gebacken).
Es freut mich zu hören, dass Du die exotische Schönheit dieses Landes (oder von Teilen) bereits entdecken konntest und ein wenig neidisch bin ich darauf, muss ich gestehen.
Mit Informationen über gefährliche Tiere kann ich tatsächlich auch nicht dienen. Stattdessen drohen im Moment eher Gefahren, wenn man im Auto sitzt. Wir haben heute gefährliches Glatteis bei ziemlich viel Schneefall.
Liebe Grüße und ein gutes neues Jahr wünsche ich Dir und Deinen sambischen Freunden (unbekannterweise)!
Conny

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